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Die Erziehung eines Neufundländers ist relativ einfach. Meiner Erfahrung nach lernt der Neufundländer sehr schnell. Mit Ruhe, viel Geduld, spielerisch, aber auch konsequent, ohne unnötige Härte, beherrscht er im Handumdrehen die Regeln des alltäglichen Zusammenlebens mit seinen Zwei - und Vierbeinern.
Der Neufundländer wird in jedem Buch als sanftmütig, gelassen und ruhiger Hund beschrieben. Das stimmt auch, doch wie bei jeder anderen Hunderasse sollte hier eine gute Erziehung vorausgehen.
Auch die Genetik hat Einfluss auf das Verhalten eines Hundes, doch der Züchter wird in der Regel durch gezieltes einsetzen seiner Zuchttiere darauf achten, dass diese zusammenpassen. Sehr oft fand ich Verhaltensparalellen zwischen den Elterntieren und ihren Nachkommen, obwohl diese nicht mehr zusammen lebten.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass das Umfeld, in dem ein Hund aufwächst, einen weitaus größeren Einfluss, auf das weitere Verhalten jedes einzelnen Hundes, nimmt. Welpe ist Welpe, ob nun Neufundländer oder Jagdhund... vorerst sind sie alle gleich und der Mensch gibt ihnen die Informationen, die des Hundes Charakter und sein Verhalten stärken, oder auch nicht.
Anfangen möchte ich hier beim Züchter.
Er ist der, welcher von der Geburt an Einfluss auf die Erziehung des Welpen nehmen kann. Neben der Mutterhündin hat der Züchter die Möglichkeit dem Welpen viele Eindrücke des alltäglichen Lebens zu vermitteln. Unsere Welpen kennen bei Abgabe bereits einige Kommandos wie z. B. “Hier” oder “Nein”. Sie werden, in der Zeit bei uns, mit Geräuschen von Rasenmäher, Staubsauger oder auch Feuerwerkskörpern konfrontiert. Wir leben hier sehr ländlich und müssen diesbezüglich oft improvisieren. Unsere Babys kennen Autos, werden auch schon vorsichtig an Halsband und Leine gewöhnt. Dies ist nur ein Teil von dem, was wir hier mit unseren Welpen veranstalten. Diese Arbeit macht Spass, denn bis heute können wir mit Stolz sagen, noch nie einen scheuen oder gar ängstlich Welpen abgegeben zu haben. Unsere Welpenkäufer haben stets an diesen Einflüssen angeknüpft und der Welpe hatte es somit leichter in seiner neuen Umgebung zurecht zu kommen.
Halten Sie vorzeitig Ausschau nach einer guten Hundeschule. Hier gibt es große Unterschiede.
Fragen Sie die Hundetrainer nach deren Erziehungskonzept und schauen Sie sich die Praktiken an. Im Vordergrund stehen hier, meiner Meinung nach, nicht die Techniken von einzelnen Kommandos zu vermitteln, sondern in erster Linie gute Kenntnisse über das soziale und allgemeine Verhalten des Hundes. Die Kommunikation und Körpersprache zwischen Hund und Mensch gilt es zu erlernen. Das heißt: Signale des Hundes frühzeitig zu erkennen, um Situationen richtig einzuschätzen zu können und darauf entsprechend zu reagieren. Die moderne Hundeerziehung bietet hier viele Möglichkeiten die Hund - Mensch - Beziehung zu fördern, erweitern und zu festigen.
Leider gibt es heute immer noch Hundetrainer, die nach der altherkömmlichen Erziehungsmethode einen Hund bezwingen möchten “und zwar mit Gewalt”
Ein Beispiel hierzu:
Hundeschule/ Junghundgruppe Neufundländerrüde, Alter 5 Monate:
Im Vorfeld sei hierzu gesagt, ohne Hundeschule hatte sich schon bis hierher eine sehr enge Beziehung zwischen Herrchen und Jaggo aufgebaut.
Unser Jaggo sollte lernen, liegen zu bleiben und auf Zuruf zu kommen. Jaggo machte “Platz”, kein Thema, das kannte er.... Herrchen ging ein paar Schritte von ihm weg. Jaggo’s Gedanken, so deutete ich sie zumindest “Hey, wo willst du hin? ...ich komme mit!”, Jaggo springt auf und rennt zu Herrchen. “Nein”, sagte Herrchen und bringt ihn zur Ausgangsposition zurück und sagte zu ihm “Bleib”. Nach einigen erfolglosen Versuchen kam nun der Hundetrainer zu Jaggo, mit den Worten “Du bleibst jetzt liegen” drückte er Jaggo zu Boden, hielt ihn an Halsband und Leine fest, zu fest, denn Jaggo quietschte kurz. Herrchen ging mit einem unangenehmen Gefühl im Bauch wieder ein paar Schritte weg. Jaggo’s Panik, Herrchen könnte ohne ihn gehen, war nun deutlich zu sehen ...er windete sich, winselte, er wollte nach hinten weg, doch der Trainer lies ihn nicht los (hier sei nochmals bemerkt, Jaggo war erst 5 Monate alt). Dann griff ich ein, da ich näher dran stand und fragte aufgeregt, was das denn soll? In diesem kleinen Moment der Unachtsamkeit des Trainers knurrte Jaggo ihn an, riss sich los und nichts wie hin zu Herrchen. Der Trainer tobte, weil ich ihn bei seiner Gewaltanwendung unterbrach. Nicht nur wir standen da mit einem Kopfschütteln. Der Trainer meinte unsere Hunde seien verweichlicht und verwöhnt! Ich sagte zu ihm, er solle seine Hundeschule besser schließen, denn das hatte nichts, wie von ihm beteuert, mit moderner verhaltensorientierter Hundeerziehung zu tun. Für uns war klar, das war der letzte Besuch in dieser Hundeschule. Das war vor 6 Jahren und ich behielt Recht. Diese Hundeschule existiert schon länger nicht mehr.
Um auf die Situation zwischen Jaggo und dem Trainer zurückzukommen. Hätte der Trainer nicht Gewalt angewendet, sondern versucht Jaggo abzulenken, als Herrchen wegging, wäre für Jaggo schnell klar geworden, dass Herrchen nicht weggeht, sondern ihn zu sich rufen will.
Mit Gewalt erreicht man Angst und Aggression und es ist kaum zu glauben, dass dies heute noch praktiziert wird. Seien Sie also umsichtig bei der Wahl Ihrer Hundeschule.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen ein Buch empfehlen, was das Verhalten des Hundes sehr gut beschreibt. Denn nicht nur der Hund muss von Ihnen lernen, sondern Sie auch von ihm. Hund und Mensch sprechen verschiedene Sprachen. Dieses Buch lehrt Sie die Sprache des Hundes besser zu verstehen und mit den Augen des Hundes zu sehen. Der Titel alleine sagt schon vieles aus “ Das andere Ende der Leine” geschrieben von Patricia B. McConnell .

ISBN Nr. 978-3-933228-93-2
Dieses Buch hat meine Art der Hundeerziehung in vielerlei Hinsicht bestätigt und ich konnte noch einiges dazu lernen.
Die meisten Informationen geben wir unseren Hunden in den ersten drei Lebensjahren und das Gelernte kann man immer wieder abrufen, indem man übt. Wie beim Menschen zählt auch hier “Übung macht den Meister”. Es ist allerdings falsch, dass man nicht auch einem älteren Hund noch etwas beibringen kann. Auch hier ist es wieder mit uns Zweibeinern zu vergleichen, denn auch ein Hund lernt nie aus. Es liegt an uns, welche Informationen wir dem Hund geben. Bei einer gefestigten engen Beziehung zu uns, wird er fast alles tun, was wir von ihm verlangen.
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